N E W S

Ramat Gan bekommt eine Weinheim-Straße

Albrecht und Ulrike Lohrbächer bringen von ihrer Israel-Reise Neuigkeiten mit.

WNOZ 22.April 2022

 

 

 

Austausch zwischen Bürgermeister Carmel Shama-Hacohen (links) und Albrecht Lohrbächer

Weinheim/Ramat Gan. Seit 1999 besteht offiziell die Partnerschaft zwischen Weinheim und Ramat Gan. Das soll sich bald auch in den Stadtplänen niederschlagen. „Der Gemeinderat von Ramat Gan hat sich vor wenigen Tagen für eine Weinheim-Straße ausgesprochen. Sie soll in einem Neubaugebiet entstehen“, berichtete Albrecht Lohrbächer im Gespräch mit der WN-Redaktion nach seiner Rückkehr aus Israel, wo er mit seiner Frau Ulrike elf Tage lang unterwegs war, um in Ramat Gan alte Kontakte zu beleben und neue Verbindungen zu knüpfen.

So kam es unter anderem erstmals zu einem persönlichen Treffen mit Bürgermeister Carmel Shama-Hacohen, der seit 2018 an der Spitze der Stadtverwaltung steht. „Der Bürgermeister zeigte großes Interesse an Weinheim und möchte so bald wie möglich nach Deutschland reisen“, berichtete Lohrbächer. Er habe sich auch sehr darüber gefreut, dass der Weinheimer Gemeinderat bereits 2021 beschlossen hat, eine Straße im neuen Wohngebiet auf dem Gelände des ehemaligen Kreispflegeheims im Sanierungsgebiet „Westlich Hauptbahnhof“ nach der israelischen Partnerstadt zu benennen. „Vielleicht klappt es ja, dass Shama-Hacohen 2024 zur Einweihung kommt“, meinte Lohrbächer. Im „Gepäck“ hatte er zudem persönliche Grüße von Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just, der gerne auch zu einem Antrittsbesuch nach Ramat Gan reisen möchte. Ein guter Anlass wäre der 100. Geburtstag der Stadt Ramat Gan, der nach Angaben von Shama-Hacohen 2023 „nachgefeiert“ werden soll. Die Stadt wurde zwar schon 1921 gegründet; aber 2021 ließ die Corona-Pandemie auch in Israel keine großen Feierlichkeiten zu.

Seit den 1980er-Jahren besucht Albrecht Lohrbächer regelmäßig Israel. Er ist Vorsitzender des Freundeskreises Weinheim – Ramat Gan, Motor und Begründer der Städtepartnerschaft sowie seit 2017 Ehrenbürger von Ramat Gan. Doch die Corona-Pandemie sorgte nicht nur bei den Lohrbächers für eine mehr als zweijährige Zwangspause, sondern auch beim Schüleraustauschprogramm, das nicht wie gewohnt durchgeführt werden konnte. Zumindest virtuell fand im Winter ein Austausch zwischen sechs Schülern aus Weinheim und zwölf Jugendlichen aus Ramat Gan statt, berichtete Lohrbächer. In Ramat Gan traf er sich mit den Schülern, die ihm begeistert von dieser Art der Begegnung erzählten. Der Wunsch, sich auch persönlich zu treffen, geht zumindest für vier deutsche und sechs israelische Jugendliche im Sommer in Erfüllung. Hinzu kommen jeweils 18 Schüler aus beiden Städten, die den regulären Austausch wieder aufnehmen werden.

Das Ehepaar Lohrbächer besuchte in Ramat Gan auch „alte Freunde“, so zum Beispiel das Mundharmonika-Orchester und den gemischten Chor von Hannah Tzur, die auch schon in Weinheim aufgetreten sind. Darüber hinaus stand ein Besuch im Altersheim Pinchas Rozen auf dem Programm, für das der Freundeskreis Weinheim – Ramat Gan im vergangenen Jahr nach den Raketenangriffen auf Tel Aviv und Ramat Gan Spenden gesammelt hatte. Mit dem Geld wurde nicht nur ein gemeinsamer Ausflug der Senioren, sondern auch die Anschaffung neuer Gartenmöbel möglich, wie die Heimleitung berichtete.

Insgesamt, so Lohrbächers Eindruck, hat sich Ramat Gan (160 000 Einwohner) von der Pandemie gut erholt. „Die Stadt wächst immer weiter, vor allem in die Höhe“, so sein Eindruck. Seit seinem Besuch 2019 seien jedenfalls weitere Wolkenkratzer entstanden. (pro)

- Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Weinheimer Nachrichten -

Vordergrund: Ramat Gan-Theater; Turm im Hintergrund: Sapir tower

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Rede Herr Lohrbächer zur Mahnwache zum Ukrainekrieg

WEINHEIM, 03.03.2022

Liebe Freunde,

wir stehen hier voller Wut über den russischen Aggressor, zugleich auch voller

Ohnmachtsgefühle und sind bewegt von einer Mischung aus Bewunderung und

dem Gefühl der Solidarität für die tapferen Ukrainer samt deren Präsident

Wolodymir Zelenskij.

Der unter höchster Lebensgefahr stehende Wolodymir Zelenskij sieht sich und

sein Volk in diesen Tagen einem Vernichtungs- und Tötungswahn des

wahnsinnigen russischen Präsidenten Putin ausgesetzt. Und es ist ihm, der als

Angehöriger der zweiten Generation von Überlebenden des Holocaust das

Trauma der versuchten Vernichtung unauslöschlich in sich trägt, lebenswichtig,

den Zusammenhang zwischen dem Vorgehen der russischen Armee und den

Verbrechen in der Nazizeit zu verdeutlichen.

Wolodymir Zelenskij hat gestern früh eine jetzt im Netz kursierende Rede

gehalten, in der er auf die gezielten Angriffe gegen die bei Kiew liegende

Gedenkstätte Babij Jar und auf den jüdischen Pilgerort Uman hinweist.

Was war/ist Babij Yar bei Kiew? Am 28. September 1941 wurden die

Evakuierung der Kiewer Juden angeordnet. Diese sollten sich am folgenden

Tag in der Nähe des Bahnhofes einfinden und warme Kleidung, Geld sowie

persönliche Dokumente und Wertgegenstände mitbringen. Diesem Aufruf

folgten mehr Juden als erwartet. Sie wurden dann zur Schlucht geführt,

mussten sich dort ihrer Kleidung entledigen und wurden entsprechend dem

„Einsatzbefehl der Einsatzgruppe Nr. 101“ systematisch erschossen. Bei den

Erschießungen am 29. und 30. September 1941 wurden laut Meldung vom 2. Oktober 1941 innerhalb von 36 Stunden 33.771 Juden getötet.

Wolodymir Zelenskij hat die Gedenkstätte im Oktober letzten Jahres eingeweiht.

Der große russisch-jüdische Dichter Jewgenij Jewtuschenko widmet dem Geschehen von Babij Jar unter massivem Protest der sowjetischen Regierung 1961 ein berührendes Gedicht und Dimitri Schostakowitsch schon 1962 die Symphonie Nr. 13 b-Moll.

Was den von Zelenskij erwähntem zweiten Ort, Uman, angeht. so stellt er für eine große Zahl von orthodoxen Juden ein Pilgerort dar. Jedes Jahr kommen aus aller Welt Zehntausende von Juden nach Uman, um am Grab des großen Rabbi Nachman um Heil und Heilung zu beten.

Jüdische Spuren sollten nun erneut ausgelöscht werden - Wolodymir Zelenskij sagte in seiner Rede gestern früh:

„Der siebte Tag dieses schrecklichen Krieges hat begonnen. Ein Krieg, in dem wir alle dasselbe fühlen.

Wir alle wurden letzte Nacht in Kiew beschossen, und wir alle starben erneut in Babi Jar durch einen Raketenangriff, obwohl die Welt es immer wieder verspricht, dass es „Nie wieder“ geschehen darf und wird.

Für den normalen Menschen, der die Geschichte kennt, ist Babi Jar ein besonderer Ort in Kiew. Ein besonderer Ort in Europa. ein Ort des Gebets. Eine Gedenkstätte für Tausende und Hunderttausende von Aschkenasim, den europäischen Juden, die hier von den Nazis ermordet wurden.

Die Gedenkorte von Kiew. Warum einen solchen Ort zum Ziel eines Raketenangriffs machen? Sie töten die Opfer des Holocaust. Noch einmal.

Zu Sowjetzeiten wurde auf dem Gelände ein Fernsehzentrum sowie ein Sportzentrum errichtet. Ein Park wurde gebaut, um die besondere Geschichte auszulöschen. Um das Gedächtnis von Babi Jar auszulöschen.

Diese Aktion übersteigt das menschliche Verständnis. Ein solcher Angriff beweist, dass Kiew für viele in Russland völlig fremd ist. Sie wissen nichts über unsere Hauptstadt, über unsere Geschichte. Aber trotzdem befahlen sie die Zerstörung unserer Geschichte, sie wollen unsere Heimat zerstören, uns alle vernichten.

Am ersten Kriegstag wurde ein weiterer besonderer Ort des Judentums massiv beschossen. Uman, der Ort, an den jährlich Hunderte und Tausende von Juden kommen und beten.

Dann griffen sie Babi Jar an, wo Zehntausende Juden erschossen wurden.

Ich wende mich jetzt an alle Juden der Welt – seht ihr nicht, was hier passiert? Deshalb ist es wichtig, dass Millionen von Juden überall ihre Stimme erheben.

Die Welt darf zu diesen Gräueltaten nicht schweigen.

Schreit gegen die Tötung von Zivilisten. Schreit den Todesschrei! Schreit Ukrainer!“

soweit Wolodymir Zelenskij.

In unserer Partnerstadt Ramat Gan finden sich jetzt über den Straßen und an den Wegen Bekundungen der Solidarität, leben doch in der Stadt nicht wenige Überlebende der Schoa aus der Ukraine und solche, die als zweite Generation die Wunden der versuchten Vernichtung mit sich tragen.

Den Ukrainern, ihrem unglaublich mutigen Präsidenten Wolodymir Zelenskij, dem jüdischen Volk, das erneut alte Ängste erlebt, und unseren Freunden in Ramat Gan gilt in diesen Stunden und Tagen unser Mitgefühl. Keiner von uns weiß, wohin das alles noch führen wird, welche weiteren Massaker sich Putins Schergen noch erlauben werden – wir stehen mit all unserer Ohnmacht und zugleich einem Gefühl der Zusammengehörigkeit daneben. Und wir versprechen wenigstens: Wir werden - mit Euch - nicht vergessen!

(es gilt das gesprochene Wort! 3.3.2022 - Albrecht Lohrbächer, ramatgan@gmx.de)

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Einen Draht zueinander finden 

Gymnasiasten der Dietrich-Bonhoeffer-Schule und des Heisenberg-Gymnasiums lernen die israelische Partnerschule in Ramat Gan digital kennen

WEINHEIM, 22.02.2022

Quelle: Weinheimer Nachrichten

Weinheim/Ramat Gan. Wie sieht das Leben junger Menschen in Israel aus? Was bewegt sie, welchen Hobbys gehen sie nach, welche Themen bestimmen ihr Leben? Die Gymnasiasten der Weinheimer Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) und des Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG) haben normalerweise die Möglichkeit, genau das im persönlichen Austausch mit Schülern der ORT Ebin High School in Weinheims Partnerstadt Ramat Gan kennenzulernen.

Seit 33 Jahren, also weitaus länger, als es die Partnerschaft zwischen beiden Städten gibt, pflegt man den Schüleraustausch. Nur einmal musste er aus politischen Gründen entfallen, es war schlichtweg zu gefährlich, in das nahe Tel Aviv gelegene Ramat Gan zu fahren. Dann kam die Coronapandemie und sorgte dafür, dass in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge kein Präsenzaustausch möglich ist. Dass die Verbindung zur Partner-High-School nun schon wieder unterbrochen werden sollte, damit wollte sich eine Gruppe von Lehrern beider Schulen nicht abfinden.

Längst sind zwischen den Kollegen Freundschaften durch die gegenseitigen Besuche entstanden, man hat einen Draht zueinander und suchte gemeinsam nach einer Alternative. Und die wurde dank moderner Technik auch gefunden, Zoom, Instagram, WhatsApp und Co. sei Dank. Tobias Tempel und Susanne Mußmann von der DBS stellten gemeinsam mit den Zehntklässlerinnen Jana Rauh, Hannah Link und Theresa Mayer vor, wie sich beide Seiten nun mit Hilfe moderner Technik näherkommen. Sechs Schülerinnen der zehnten Klasse der DBS und zwei der elften Jahrgangsstufe des WHG haben gemeinsam mit den Lehrern das Projekt mit gestaltet. „Digital delegation Weinheim – Ramat Gan“ ist auf dem Whiteboard zu lesen, unterlegt mit den Flaggen der beiden Staaten. So startet eine Aneinanderreihung von kurzen Videos, in denen die Schüler beider Länder verschiedene Themen vorstellen.

Jana Rauh hat in ihrem Video die Stadt Weinheim mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten präsentiert, man sieht, wie sie in englischer Sprache an verschiedenen Punkten der Stadt erklärt, was sehenswert und charakteristisch ist. Hannah Link stellt typisch deutsches Essen vor, Theresa Mayer erklärt, natürlich ebenfalls auf Englisch, die verschiedenen deutschen Feiertage und Feste. Dieselben Themen – darunter auch Musik, Militär und Holocaust – haben die israelischen Schüler aufgegriffen und aus ihrer Sicht den deutschen „Kollegen“ geschildert. Nachdem man sich so einander vorgestellt hatte, kam man zunächst durch Zoom-Meetings gruppenweise miteinander ins Gespräch über die verschiedenen Themen.

Spannendes Kennenlernen

Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede – das spannende Kennenlernen begann auf persönlicher Ebene. „Wir haben uns nicht nur zum eigentlichen Thema ausgetauscht“, verrät Hannah Link. Das Leben der Jugendlichen in Ramat Gan unterscheide sich insgesamt sehr vom hiesigen. Als ein Beispiel nennt Hannah, dass das Pfadfinderwesen in Israel eine weit größere Bedeutung habe als in Deutschland. Auch als Vorstufe zur späteren Militärausbildung. „Das ist sehr hoch angesehen dort“, so die Schülerin. Die israelischen Alterskameraden würden sich sehr oft sozial engagieren, etwa für Menschen mit Einschränkungen, während die Jugendlichen hierzulande eher sportlichen Freizeitaktivitäten nachgehen, hat Jana Rauh festgestellt.

Schnell wurden untereinander Kontakte ausgetauscht, WhatsApp- und Instagram-Gruppen gebildet. „Immer montags“, so erzählt Hannah Link, „schreiben wir, was wir am Wochenende unternommen haben, und schicken auch Fotos.“ So bekomme man einen besseren Einblick in das Leben der anderen.

Ist der Holocaust noch Thema bei den jungen Leuten? Es gibt ein entsprechendes Video, angesprochen in den persönlichen Gesprächen wurde das Thema bisher jedoch so gut wie nicht. Zunächst gehe es um den Grundaustausch, das nähere Kennenlernen. Später werde sicher auch der Holocaust Gesprächsthema werden, so die Beteiligten. Im Präsenzaustausch besuchen die Weinheimer mit den Gästen das ehemalige KZ Struthof, in Israel ist der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem fester Bestandteil.

Sind die Schülerinnen traurig, dass Corona ihnen einen Strich durch den Besuch in Israel gemacht hat? „Es wäre schön, dort zu sein“, sagt Jana Rauh. „Aber so ist es auch eine schöne Möglichkeit, in Kontakt zu kommen und dann, wenn die Situation es zulässt, zu den anderen zu fahren, die dann vielleicht sogar Freunde sind.“

„Locker und lustig“

„Super offen, mega herzlich, locker und lustig“ seien die Israelis, findet Theresa Mayer Jana Rauh und ihre Austauschpartnerin bringen sich gegenseitig Wörter und Phrasen in der jeweiligen Sprache bei. Man ist sich nähergekommen. Im März steht ein gemeinsamer Online-Spieleabend auf dem Programm. Im engen Austausch sei man stets mit dem Freundeskreis Weinheim – Ramat Gan, der trotz Pandemie ein großes Interesse daran habe, die Schüler zu unterstützen, so Tobias Tempel. Auch die Verantwortlichen der Stadt Weinheim würden sich freuen, dass die Schulen auf diesem Wege Kontakte knüpfen, so Tempel. Awa

- Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Weinheimer Nachrichten -

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„Seit Jahrzehnten ein Kampf gegen Windmühlen“ 

WEINHEIM, 18.02.2022

Quelle: Weinheimer Nachrichten

Weinheim. „Die Sache mit den Juden“ – rund 80 Teilnehmer wollten ihr beim Online-Vortrag mit

Richard C. Schneider auf den Grund gehen. Er sprach zu diesem Thema auf Einladung des Jungen

Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, des Freundeskreises Weinheim – Ramat Gan und

des Vereins Ehemalige Synagoge in Hemsbach. Nach dem Attentat von Halle kam bei Schneider

die Idee auf, über die Wiederbelebung des Antisemitismus nicht nur in Deutschland, sondern in

ganz Europa, einen Fernsehfilm zu drehen, und er berichtete in seinem Vortrag zunächst über

das Konzept.

Vier Formen des Antisemitismus wollte Schneider darin beleuchten: Judenfeindlichkeit von

rechts, von links, islamistischen Antisemitismus und solchen, der aus der Mitte der Gesellschaft

kommt. Vier Länder sollen im Mittelpunkt stehen und gleichzeitig auch der Krise der Demokratie

beziehungsweise des Liberalismus auf dem Kontinent nachgegangen werden. In Frankreich

wollte er islamistischen, in Großbritannien linken, in Ungarn rechten Antisemitismus beleuchten.

Deutschland steht für Schneider als Land, in dem sich die Judenfeindlichkeit aus der Mitte der

Gesellschaft offenbart. Das Drehbuch stand, dann kam die Pandemie. Je länger diese dauerte,

desto mehr schwand die Hoffnung darauf, den Film wie geplant drehen zu können.

Schneider veränderte sein Konzept und konzentrierte sich auf Deutschland: Es wurde eine

Reportage mit vier 20-minütigen Folgen, die an verschiedenen Orten in Deutschland entstand.

Sie wurde vom Bayerischen Rundfunk im November 2021 mit Interviews, der Auswertung von Archivmaterial und Grafiken ausgestrahlt.

Schneider versucht darin den immer lauter werdenden Hass gegen Juden in Deutschland gemeinsam mit Experten, Wissenschaftlern und Betroffenen zu erklären und die Hintergründe sowie die verschiedenen Formen des Judenhasses aufzuzeigen. „In der Reihe erzählen zum einen jüdische Experten sowie junge Juden, wie sie die aktuelle Lage wahrnehmen und den wachsenden Antisemitismus erleben“, erläutert der Autor.

Er habe versucht, historische Zusammenhänge in seinem Erzählstrang aufzuführen, um zu verstehen, welche Dimension der Antisemitismus einnimmt. Die Judenfeindlichkeit von rechts sei für Juden die schlimmste, da sie in Deutschland die gewalttätigste sei, hob Schneider hervor. In anderen Ländern sei dies der islamistische Antisemitismus. Als physisch nicht so belastend ordnete der Referent die Judenfeindlichkeit von links ein, die hoch sei und überraschenderweise verstärkt in, wie er es nannte, „gebildeten Kreisen“ vorkomme und sich in Sprache, Vorstellungen und ideologischen Ideen äußere. „Insbesondere die jüngere Generation nimmt diese Strömung wahr und stellt fest, dass sie auch unter Intellektuellen immer weniger Freunde hat“, sagte Schneider. Er bedauerte, dass auch die junge jüdische Generation heute immer noch dieselben Kämpfe ausfechten müsse, wie die Juden es seit 2000 Jahren – seitdem ihre Kultur in der Diaspora existiert – tun müssen. „Es ist seit Jahrzehnten ein Kampf gegen Windmühlen. Das Ergebnis wir nur immer schlimmer“, sagte er kritisch.

Grenzenloser Hass im Netz

Für Schneider zeigt sich der Antisemitismus aus der „Mitte der Gesellschaft“ in der Gruppe der „Querdenker“, der „Gangster-Rapper“ und in der „verbalen Grenzenlosigkeit des Hasses im Netz“. Seit 18 Jahren lebt er nicht mehr in Deutschland, empfindet aber gerade diese Erscheinungsform als „stärker, lauter und schamloser“. „Heute sagen die Menschen, was sie denken, vor 30 Jahren gab es Tabus. Diese sind heute gefallen. Das hat mich in den Interviews mit 30- bis 50-Jährigen sehr erschreckt“, sagte der Referent deutlich. Auch kritisierte Schneider den Umgang mit Sprache, den Bürger, aber auch Politiker, gerade auch im Zusammenhang mit Juden verwenden. „Sprache grenzt aus, sie transportiert Rassismus – eine Situation, die andere Gruppen fortgesetzt ausnutzen.“ Dazu lieferte er zwei Beispiele: Kaum eine Rede zum 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, komme ohne die „klassischen“ Sätze „Wehret den Anfängen“ und „Nie wieder“ aus. Dabei verkenne aber jeder Redner, dass Antisemitismus nicht am Anfang stehe, sondern wir alle „mittendrin“ seien. Zur Verdeutlichung erwähnte er, dass es in Berlin die höchste Anzahl antisemitischer Vorkommnisse in den vergangenen drei Jahren in Deutschland gegeben habe. „Jude“ sei wieder ein Schimpfwort geworden, gab er seine Erfahrung wieder. Und „Nie wieder“ habe die Gesellschaft längst verpasst, indem sie weg- und nicht hinschaut, wo judenfeindliche Vorurteile existieren.

Sprachliche Bilder, Klischees, Begriffe, die im Alltag verwendet, sowie Stereotypen, die am Leben erhalten werden, bedrohten das jüdische Leben und sorgten dafür, dass sich die Situation noch verschlimmere, so seine Einschätzung. „Irgendwo kommen immer wieder diese tradierten Gedanken auf, dass Juden anders sind“, warnte Schneider deutlich. Auch in dem sich anschließenden Chat mit Fragen der Teilnehmer mahnte Schneider den Umgang mit Sprache an. Ignoranz und Vorurteile führen aus seiner Sicht immer wieder dazu, dass „altbekannte Begriffe in neue Verpackungen geschnürt werden“. Er forderte auch staatliche Organe und Institutionen auf, das Thema Antisemitismus zu erkennen, aufzunehmen, zu handeln und eben bestimmte Dinge zu tun beziehungsweise eben gerade nicht zu tun. „Salbungsvolle Reden einerseits, aber kein Bewusstsein für die Problematik und kein Wille zur Veränderung andererseits, nerven die junge jüdische Generation“, fügte er hinzu.

Seiner Ansicht nach habe der Staat versagt, wenn es darum geht, Juden in Deutschland zu schützen. Bereits in den 50er-Jahren habe es Attentate gegeben, nicht erst in jüngster Zeit. „Und der Staat ist nicht da. Er hat die Pflicht, seine Bürger zu schützen, und alle, Juden und Nichtjuden, haben das Recht, dies einzufordern.“ ist

Die vierteilige Dokumentation „Die Sache mit den Juden“ von Richard C. Schneider ist in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks abrufbar.

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Wehret den Anfängen? Wir sind mittendrin!

Antisemitismus durchzieht die breite Gesellschaft – Reporter und Dokumentarfilmer Robert C. Schneider wirbt für neuen Sprachgebrauch

WEINHEIM, 18.02.2022

Quelle: Rhein Neckar Zeitung

Es ist so eine Sache, mit dem Antisemitismus in Deutschland: Allein, dass es ihn gibt, ist im Grunde unerträglich. Zunehmend tritt er aber stärker zutage und nimmt mitunter radikale Formen an. Wie kann das in einer vermeintlich toleranten Demokratie passieren? Wo liegen die Fallstricke, die diese Entwicklung begünstigen? Antworten darauf suchte der Journalist und Filmemacher Richard Chaim Schneider in der vierteiligen Dokumentation „Die Sache mit den Juden“, einer Produktion des Bayerischen Rundfunks. Unter gleichem Titel hält er begleitende Vorträge, wie am Dienstag. Veranstalter waren das Junge Forum Heidelberg, der Freundeskreis Weinheim-Ramat Gan und der Verein Ehemalige Synagoge Hemsbach. 72 Teilnehmende schalteten sich zu der Onlinekonferenz hinzu, bei der Schneider Erkenntnisse zusammenfasste. 

Der größte Teil des Antisemitismus in Deutschland gehe vom rechten Milieu aus, erklärte er. Als Extrembeispiel führte er den Anschlag auf die Synagoge in Halle an: Im Oktober 2019 versuchte ein Rechtsextremist, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. „Hätte die Tür nicht standgehalten, hätte es ein Massaker mit 50 bis 70 Toten gegeben“, sagte Schneider. Es wäre beispiellos der schwerste Anschlag auf eine jüdische Gemeinde seit Kriegsende gewesen. Dass es nicht zum Äußersten kam, war der Tischlerkunst zuzuschreiben; der Staat hingegen hatte versagt, in der Hinsicht, seine Bürger angemessen zu schützen – wie bereits zuvor. Die Reihe rechtsextremistischer Attentate führt bis in die 1950er-Jahre, manche Fälle seien nie aufgeklärt worden. 

Aber auch im linken Milieu, dort besonders in „intellektuellen“ Kreisen, sah Schneider Probleme. Immer öfter würden dort das Judentum und der Staat Israel miteinander verwechselt. Im Alltag erheben sich weitere Stereotype, wie sich aktuell an der „Querdenken“-Bewegung festmachen lässt. Antisemitismus finde sich auch in der Populärkultur, wie Schneider am Beispiel des Gangster-Rap aufzeigte; und dann sei da noch die „verbale Grenzenlosigkeit und der Hass im Netz“. Antisemitismus gebe es in der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft, er umfasse ein „Panoptikum von ganz links bis zu Reichsbürgern“. 

Mit der Dokumentation wollte Schneider aber zugleich Experten zu Wort kommen lassen, die selbst jüdische Wurzel haben oder jüdischen Glaubens sind. Besonders solche, die der „jungen Generation“ angehören, also im Alter von 30 bis 50 Jahren. Auffallend sei, dass das intellektuelle Niveau dort besonders hoch ist. Deprimierend fand er, dass die „jüngere Generation“ dieselben Kämpfe ausficht wie die Vorgängergeneration: „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen.“ 

Wo bleibt die Mehrheitsgesellschaft, die guten Willens ist – und diesen Willen auch artikulieren könnte?, fragte er sich. Auf „artikulieren“ lag der Akzent, denn es ist vor allem Sprachkritik an den „Textbausteinen, die wir immer wieder hören“. Wenn Politiker sagten, „diese Menschen gehören zu uns“, schrecke er auf. „Es ist ein völlig ausgrenzender Satz“, so Schneider, auch wenn eigentlich das Gegenteil beabsichtigt sei. In der Sprache, in der Rhetorik der Politik, liege der Begriff „uns“ noch zu nah an der ethnisch religiösen Mehrheitsgesellschaft. Phrasen wie „Nie wieder!“ oder „Wehret den Anfängen!“ verkennen aus seiner Sicht das Problem: „Was heißt das, wenn wir doch mittendrin sind?“ Berlin sei die Stadt mit dem meisten Antisemitismus in Europa, und auf Schulhöfen höre man wieder öfter die Beschimpfung „Du Jude!“

Nach gut einer halben Stunde kompaktem Vortrag mündete die Veranstaltung in einer Frage-Antwort-Runde. Die Teilnehmenden konnten Fragen entweder direkt stellen oder im Chat schreiben. Dabei ging es unter anderem um Wir-Uns-Gefühle, um Funktionärsebenen und die Einforderung des Rechts, sprich: vom demokratisch verfassten Staat geschützt zu werden. Aber auch die Aufarbeitung von Familiengeschichten, das Vermächtnis der Schreckenstaten des Holocaust, wurden diskutiert. Nicht zuletzt wurde Schneider nach dem „Klassiker“ gefragt: Wo liegt die Grenze zu berechtigter Israelkritik? 

Es gibt keine „Apartheid“ in Israel

Es gebe genug an der israelischen Regierung zu kritisieren, nur: „Benenne das Problem dort, wo es ist.“ Dass Menschenrechte verletzt worden sind, sei Fakt; Unterstellungen wie „Apartheid“ hingegen verschiebe das Reden über die innergesellschaftlichen Probleme Israels auf ideologisches Terrain und letztlich hin zu einer tendenziell israelfeindlichen Wahrnehmung.

Der Vortrag zeigte, dass Antisemitismus ein tiefgreifendes, komplexes Problem ist. Obwohl in knapp eineinhalb Stunden nur einige Punkte herausgegriffen wurden, konnte Schneider mit angenehmem Erzählfluss die oft komplexen Zusammenhänge skizzieren und verschiedene Perspektiven darlegen – die des objektiven Journalisten, des Intellektuellen und als Mensch mit eigenen jüdischen Wurzeln und Erfahrungen. 

Wenn Straßen verbinden -

Auch Ramat Gan plant eine Weinheim-Straße

WEINHEIM, 23.09.2021

Quelle: Pressemitteilung der Stadt Weinheim

„Ich war sehr glücklich, als ich ihren Brief erhalten habe und darin von der Ehre gelesen habe, die Sie und der Gemeinderat den Einwohnern Ramat Gan erweisen.“ So beginnt ein Brief, der jetzt im Weinheimer Rathaus auf dem Schreibtisch von Oberbürgermeister Manuel Just gelandet ist. Absender ist Carmel Shama-HaCohen, der Bürgermeister der israelischen Weinheimer Partnerstadt Ramat Gan. Shama-HaCohen antwortet mit dem Schreiben wiederum auf einen Brief, den ihm OB Just nach der September-Gemeinderatssitzung geschrieben hat. Darin teilt er dem Amtskollegen mit, dass der Gemeinderat beschlossen hat, eine Straße im Sanierungsgebiet „Westlich Hauptbahnhof“ auf dem früheren Areal der GRN-Pflege nach Ramat Gan zu benennen.

Es handelt sich um die Planstraße A im Wohngebiet, an die sich auch ein kleiner Park anschließt. Der Ort wurde wegen seiner Zentralität, der hohen Wohnqualität im neuen Baugebiet und wegen eines an der Straße liegenden Parks passend zur Partnerstadt herausgesucht: Ramat Gan ist hebräisch und heißt übersetzt „Gartenhöhe“.

Seit 1999 pflegt die Stadt Weinheim eine Partnerschaft mit Ramat Gan, einer Nachbarstadt von Tel Aviv. Dass der Straßenname auch einen Bezug zur jüdischen Geschichte und zur NS-Diktatur hat, wird auch an der Benennung der zweiten Straße im Gebiet deutlich. Diese wird nämlich nach der jüdischen Journalistin und Philosophin Hannah Arendt benannt, die in Heidelberg studiert und promoviert hat.

In Ramat Gan ist die Straßenbenennung so gut angekommen, dass dort nun ebenfalls eine Straße nach Weinheim benannt werden soll. Carmel Shama-HaCohen teilt in seinem Brief nach Weinheim mit, dass in der nächsten Sitzung des Stadtrates dies „als Zeichen der Identifikation“ vorschlagen wird. Klar ist, dass diese gegenseitige Geste ein Zeichen der Verbundenheit zwischen den beiden Partnerstädten ist. Es ist geplant, dass jeweils eine Delegation bei der Einweihung der Straße anwesend ist. Carmel Shama-HaCohen schreibt: „Wir freuen uns, nach Weinheim zu kommen.“

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Partnerstadt bekommt Straßenname in Weinheim

WEINHEIM, 27.09.2021

Quelle: Weinheim.de

Im Wohngebiet „Westlich Hauptbahnhof“, das derzeit auf dem Areal der ehemaligen „Kreispflege“ entsteht, wird die Stadt mit einer Straßenbenennung auch eine Wertschätzung für die israelische Partnerstadt Ramat Gan und die Verbundenheit ausdrücken. Der Gemeinderat stimmte für die Bennenung in Ramat-Gan-Straße gerade in einer Sitzung ab.

 

Seit 1999 pflegt die Stadt Weinheim eine Partnerschaft mit Ramat Gan, einer Nachbarstadt von Tel Aviv. Es handelt sich um die Planstraße A im Wohngebiet, an die sich auch ein kleiner Park anschließt. Noch offen ist, ob auch der Park offiziell den Namen der Partnerstadt tragen wird.

 

Dass der Straßenname auch einen Bezug zur jüdischen Geschichte und zur NS-Diktatur hat, wird auch an der Benennung der „Planstraße B“ deutlich. Hier folgte das Gremium dem Vorschlag der Stadt, die jüdische Journalistin und Philosophin Hannah Arendt mit einem eigenen Straßennamen ("Hannah-Arendt-Straße") zu ehren.

 

Hannah Arendt musste 1933 vor den Nazis aus Deutschland fliehen. In Frankreich engagierte sie sich zunächst für Emigrationsmöglichkeiten jüdischer Kinder nach Palästina. 1941 gelang es ihr, in die USA auszureisen. In New York schrieb sie regelmäßig Kolumnen für die deutsch-jüdische Emigranten-Zeitung „Aufbau“ und arbeitete seit 1944 für die „Conference on Jewish Relations“. Die politische Philosophin blieb nach 1945 in den USA und lehrte als Professorin an verschiedenen Universitäten. Bis zu ihrem Tod im Dezember 1975 widmet sie vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen aus NS-Diktatur und Exil ihr Schaffen immer wieder den Grundfragen persönlicher Verantwortung politischen Handelns im totalitären Staat.

Solidarität mit der Partnerstadt

WEINHEIM, 30.07.2021

Städtepartnerschaft: Spenden aus Weinheim finanzieren den Ausflug eines Seniorenheims in Ramat Gan

 

Es kommt wieder Bewegung in den freundschaftlichen Austausch zwischen Weinheim und der israelischen Partnerstadt Ramat Gan. Maßgeblich dazu bei trägt Albrecht Lohrbächer, Vorsitzender des Freundeskreises und Motor der Städtepartnerschaft. Als die Nachrichten von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Israelis und der radikalislamistischen Palästinenserorganisation Hamas im März Deutschland erreichten, war es für den Freundeskreis eine Herzensangelegenheit, Solidarität zu zeigen. Schließlich war auch die Weinheimer Partnerstadt betroffen von den Raketenangriffen.Der Verein initiierte kurzerhand eine Spendenaktion in den eigenen Reihen. Mit der stattlichen Summe von 750 Euro konnte ein Seniorenheim in Ramat Gan unterstützt werden, in dem viele Juden leben, die in den 1930er-Jahren vor dem Holocaust aus Deutschland flüchteten. Finanziert wurde ein Ausflug der Einrichtung „Pinkhas Rozen“ in den nahe gelegenen Nationalpark.Viel Kraft getankt„Die Bewohner konnten dort viel Kraft tanken“, berichtet Oliver Vrankovic. Der Deutsche arbeitet als Pfleger in eben diesem Heim und machte jetzt auf einer Reise in die Heimat Station in Weinheim, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Nach den extremen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie freute sich Lohrbächer besonders, den Gast auf dem Marktplatz begrüßen zu können.

Es war nicht sein erster Besuch. Der Kontakt geht auf die Verbindung der Stadtverwaltungen zurück. Die Freundschaft währt seit vielen Jahren. Gerade wurde er zum Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft für die Region Stuttgart gewählt, obwohl er in Ramat Gan wohnt.Schreckliche SzenenVrankovic berichtet von schrecklichen Szenen während der Zeit des Beschusses. Die Bewohner des Seniorenheimes hatten vom Erklingen der Sirenen an 90 Sekunden Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. „An das Erreichen eines Bunkers war in dieser kurzen Zeitspanne nicht zu denken“, weiß der 42-Jährige. Die fensterlosen Gänge boten zumindest Schutz vor splitternden Glasscheiben, einer der hauptsächlichen Ursachen von Verletzungen bei Raketenangriffen. Sechs solcher Extremsituationen sahen sich Senioren, Pfleger und Heimleitung ausgesetzt.„Das hat schon etwas mit den Bewohnern gemacht“, bedauert Vrankovic. Gerade vor dem Hintergrund der vielen zurückliegenden Kriege, die diese älteren Menschen miterleben mussten – von der Flucht aus Deutschland zum Arabischen Aufstand, dem Sechstagekrieg biszum israelischen Unabhängigkeitskrieg und dem Zweiten Golfkrieg. Dabei gilt die Sorge nicht unbedingt sich selbst. Vrankovic: „Die meisten sind in ständiger Sorge um ihre Angehörigen.“Mit der Hilfe aus Weinheim konnte den Senioren in Ramat Gan zwar die Sorge nicht genommen werden, „aber es hat den Bewohnern einfach gutgetan“, wie es Vrankovic ausdrückt. Besonders, weil auch die Isolation während der Pandemie den Rentnern zusetzte. Zwar sind nach Angaben des deutschen Pflegers die Senioren bereits seit Januar geimpft, es bestehe jedoch die Angst vor weiteren Erkrankungen. Im Pflegeheim „Pinkhas Rozen“ selbst hatte es zuvor zwei Tote gegeben. Corona hat auch den Austausch der Partnerschaft ausgebremst. Albrecht Lohrbächer: „Jetzt gilt es, das Netzwerk wieder neu anzuschieben.“ Wenn es möglich ist, soll der Schüleraustausch im kommenden Jahr wieder aufgenommen werden. Und im Plan bereits für diesen November steht die Reise einer Delegation aus Weinheim nach Israel – immer vorausgesetzt das Infektionsgeschehen lässt es zu. Dann könnte Oberbürgermeister Manuel Just endlich seinen Amtskollegen Carmel Shama HaCohenkennenlernen. Und auch Lohrbächer wäre natürlich dabei, übrigens der einzige Ehrenbürger Ramat Gans ohne israelische Herkunft.

 

Von Iris Kleefoot

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Bild: Fritz Kopetzky

"Neuanfang..."

WEINHEIM/RAMAT GAN, 14.03.2021

Liebe Freunde!

 

Neuanfang -ein schönes Wort – in Hebräisch würde ich „irgun me chadasch“ sagen. Und es steht dafür, dass die Kontakte zwischen Weinheim und Ramat Gan wieder auferstehen sollen. Die schwere Coronazeit hat sich gebessert und nun ist es höchste, dass die beiden Städte wieder zueinander finden sollen und können.

 

Ich freue mich darauf ganz besonders, denn ich erinnere mich so gut an vergangene Zeiten, in denen die Freundschaft zwischen unseren schönen Städten blühte und zur besseren Verständigung unserer Völker beitrug.

 

In diesem Sinne grüße ich ganz herzlich unsere Weinheimer Freunde, wünsche allen - von ganzem Herzen - ein besseres Jahr zusammen mit viel Gesundheit und Erfolg,

 

Mit einem Schalom-Gruß verbleibe ich

 

Ihr/Euer Moshe Meron

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Unterstützung für den jüdischen Friedhof

WEINHEIM/HEMSBACH, 10.12.2020

Spendenaufruf: Freundeskreis Weinheim – Ramat Gan wendet sich an Bevölkerung. Stadt Weinheim beteiligt sich mit 7500 Euro.
 

Weinheim/Hemsbach. Für Albrecht Lohrbächer ist es eine Herzensangelegenheit. Deshalb rührt der Vorsitzende des Freundeskreises Weinheim-Ramat Gan unermüdlich die „Werbetrommel“, um Spenden für den Erhalt des jüdischen Verbandsfriedhofs in Hemsbach zu sammeln. Diese Woche richtete der Freundeskreis gemeinsam mit dem Förderverein Ehemalige Synagoge Hemsbach noch einmal einen Appell an die Weinheimer Bevölkerung, sich an dieser Aufgabe mit Spenden zu beteiligen. Die Stadt Weinheim geht gewissermaßen mit gutem Beispiel voran und stellt 7500 Euro für die Sanierung zur Verfügung, wie am Mittwoch der städtische Pressesprecher Roland Kern bestätigte.

Die große jüdische Gemeinde in Weinheim und in Lützelsachsen benutzte bis ins Deportationsjahr 1940 ausschließlich diesen Friedhof als letzte Ruhestätte. Insgesamt 221 Weinheimer Juden – 120 aus Weinheim und 101 aus Lützelsachsen – wurden dort beerdigt. „Keine andere Gemeinde im Verband hat dort mehr Menschen zur letzten Ruhe gebettet“, schreibt Lohrbächer in dem Spendenaufruf.

Die Weinheimer Judaistin Christa-Renata Fischer-Hoffmann hat 1993 akribisch die hebräischen Inschriften auf den Grabsteinen entziffert. Auf diese Weise sind die Daten für Nachkommen von Weinheimer Juden, sofern sie emigrieren konnten, festgehalten.

Friedhof mehr als 300 Jahre alt

Der Friedhof ist seit mehr als 300 Jahren letzte Ruhestätte für weit über 1000 Juden aus Weinheim, Hemsbach, Dossenheim, Feudenheim, Großsachsen, Ilvesheim, Ladenburg, Lampertheim, Laudenbach, Leutershausen, Lützelsachsen, Schriesheim und Viernheim. Er wurde seit 1716 als gemeinsamer Friedhof, als Verbandsfriedhof, geführt. Erste Beerdigungen sind im Jahre 1674 nachgewiesen.

Wie bereits mehrfach berichtet, hielten jedoch viele Bäume den schweren Stürmen 2019 und Anfang 2020 nicht mehr stand, Gräber und Grabsteine wurden schwer beschädigt. Viele Bäume sind so morsch, dass sie jederzeit umstürzen können. Der Friedhof ist deshalb seit Monaten für Besucher geschlossen.

Baumfällarbeiten haben begonnen

Daher startete im November eine Sanierung des Friedhofs, die so rasch wie möglich durchgeführt werden muss. Das bedeutet: Mindestens 150 Bäume müssen gefällt werden.

„Dies ist aber nur unter höchst komplizierten Bedingungen möglich, da im größten Teil des Geländes nicht mit Maschinen gearbeitet werden kann und auf den meisten Flächen die Grabsteine sehr dicht nebeneinanderstehen“, erläutert Lohrbächer. Die Rodung müsse deshalb von Spezialisten durchgeführt werden, damit die Grabsteine nicht gefährdet werden.

Die Stadt Hemsbach ist seitens des Regierungspräsidiums mit den anfallenden Arbeiten betraut. Daher muss sie auch zunächst die veranschlagten Kosten von circa 130 000 Euro aufbringen beziehungsweise sich um die Zuschüsse und Spenden bemühen. In kleinem Umfang wird das Land Baden-Württemberg einen Anteil übernehmen. Auch die Kommunen der am Friedhof ursprünglich beteiligten Verbandsgemeinden haben Zusagen gemacht, teilte Lohrbächer mit.

Dennoch sei bislang erst die Hälfte der Kosten gedeckt, weshalb man weiterhin dringend auf Spenden angewiesen sei, heißt es abschließend im gemeinsamen Aufruf des Freundeskreises Weinheim- Ramat Gan und des Fördervereins Ehemalige Synagoge Hemsbach.

Spenden nimmt der Förderverein Ehemalige Synagoge Hemsbach entgegen: Das Spendenkonto (IBAN): DE65 6705 0505 0068 0046 59. Weitere Infos auf der Homepage (siehe unten) oder per E-Mail an:  aulohr@t-online.de.

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